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In Deutschland umfassen Dienstleistungen bei Industrieunternehmen einen hohen Anteil, häufig bis 50%, des gesamten Beschaffungsvolumens. Dennoch wurden bisher, aufgrund der hohen Komplexität dieser Dienstleistungsprodukte, wenige Versuche unternommen, Kosteneinsparungen durch elektronischen Geschäftsverkehr zu erzielen.

Das E-Business für industrielle Instandhaltungsdienstleistungen im industriellen Anlagen-management stellt sich bis heute als ein wenig standardisiertes und intransparentes Gebiet dar. Da bislang keine vollständig digitalisierten Planungs- und Beschaffungsprozesse vorliegen, werden Dienstleistungen unternehmensspezifisch heterogen beschrieben und beschafft. E-Procurement (engl.: elektronische Beschaffung) als Mittel zur Automatisierung von Beschaffungsprozessen und damit zur Senkung von Prozesskosten und -laufzeiten hat in den letzten Jahren, auch durch eine zunehmende Globalisierung und den damit verbundenen Konkurrenzdruck, stark an Popularität gewonnen. So existieren mittlerweile weitverbreitete und standardisierte Lösungen zur elektronischen Beschaffung von Sachgütern. Im Bereich des E-Procurements von Dienstleistungen gibt es hingegen, vor allem aufgrund dienstleistungsspezifischer Eigenschaften, nur wenige Ansätze[1]. Diese sind zudem meist individuell auf einzelne Unternehmen in einer bestimmten Domäne zugeschnitten und zueinander inkompatibel. Eine Referenzlösung zur einheitlichen elektronischen Abwicklung der Beschaffung von Dienstleistungen böte hingegen insbesondere für Dienstleistungsanbieter ein enormes Einsparpotenzial. Bei großen Industrieunternehmen besteht derzeit eine hohe Bereitschaft, in Informations- und Kommunikationstechnik zur Verbesserung der Geschäftsprozesse zu investieren. Weiterhin besteht Bedarf nach einer systematischen und strukturierten Beschreibung von Instandhaltungsdienstleistungen im Speziellen und Dienstleistungen im Allgemeinen. In der Praxis außerdem bereits unterschiedliche Kodierungssystematiken[2], die in Form von proprietären als auch standardisierten Leistungsverzeichnissen[3] und Leistungstexten verwendet werden.

Bei kleineren und mittleren Betrieben (KMU) stehen demgegenüber häufig nur wenige personelle Ressourcen und geringe finanzielle Mittel zur Verfügung. Für KMU besteht aber der Bedarf ohne großen Aufwand am elektronischen Geschäftsverkehr teilnehmen zu können. Insbesondere kleinere Unternehmen (Zulieferer) die Dienstleistungspartner für große Industrieunternehmen (Kunde) sind, müssen diese in die elektronische Abwicklung der Geschäftsprozesse der Großunternehmen mit eingebunden werden. Das Know-how für eine Realisierung von Analysen und der Entwicklung von Lösungen ist in kleinen und mittelständischen Betrieben allerdings oftmals nicht vorhanden. Auch stehen Finanzmittel nicht in ausreichendem Umfang zur Verfügung, um externe IT- und Prozessberatungsunternehmen zu beauftragen. Zusätzlich kann in der Regel die Qualität von externer Beratungsleistung nicht eingeschätzt werden. Lieferanten werden für die Anbindung an ihre Kunden aus diesem Grund vor große Hürden gestellt, da diese zumeist die Planung und Beschreibung von Dienstleistungen übernehmen. Diese Tätigkeiten erfolgen für ihre jeweiligen Kunden individuell, wodurch Lieferanten ihre Systeme an die ihrer Kunden anpassen und anbinden müssen. Vorgaben für die Beschreibung und Spezifikation von Dienstleistungen werden von Kunden an die Lieferanten (Dienstleister) gestellt und basieren auf individuellen Beschreibungsformaten. Die notwendige Interaktion zwischen Dienstleistern und Kunden kann über Self Supplier-Service-Portale8 realisiert werden. Dienstleister können in die Geschäftsprozesse der Kunden direkt eingebunden werden. Jedoch erfordert der Aufbau aktueller Self Supplier-Service-Portale Doppeleingaben von Planungs-, Leistungs- und Abwicklungsdaten in den Systemen der Kunden und der Lieferanten und orientiert sich bzgl. der Planung, Spezifikation und Beschaffung an Geschäftsprozessen der Planung, Spezifikation und Beschaffung von Materialien.

eBusInstand untersuchte Vorgehensweisen und Methodiken, wie Dienstleistungen im Kontext der industriellen Instandhaltung standardisiert beschrieben werden können. Dazu wurden Leistungsverzeichnisse und Dienstleistungsbeschreibungen der Lieferanten und Kunden im Projekt mit einbezogen und systematisch analysiert. In der Industrie verwendete Branchen-Standards wie openTRANS, BMEcat oder GAEB zur Beschreibung von Dienstleistungen wurden untersucht und bewertet. Defizite konnten aufgezeigt und konzeptionelle Lösungsvorschläge in einem Standard-Konzept erarbeitet werden.


  • [1]openQ bildet z.B. eine methodische und technische Unterstützung des standardisierten elektronischen Geschäftsverkehrs für Aus- und Weiterbildungsdienstleistungen. GAEB DA XML unterstützt den elektronischen Datenaustausch und den Aufbau von Leistungsverzeichnissen von Bauleistungen.
  • [2]Als Kodierungssystematik wird der Zusammenhang zwischen dem Objekt, den Tätigkeiten (auszuführenden Dienstleistungen) und Hilfsmitteln (Materialien) verstanden.
  • [3]Bspw. STLB Dynamische Baudaten (http://www.stlb-bau-online.de/) für VOB-gerechte Ausschreibungstexte.